Aus dem seit über zwanzig Jahren existierenden „Dritte Welt“-Infozentrum & Laden und dem Infoladen im Alhambra ist der Infoladen roter strumpf entstanden. Er tritt für eine Veränderung von unten links gegen die herrschenden globalen Machtverhältnisse ein. Unsere Kritik bezieht sich auf den kapitalistischen Weltmarkt und Herrschaftsformen wie Rassismus und Sexismus. Diese Strukturen bringen Armut, Kriege, ökologische Verwüstung etc. hervor und basieren auf der Spaltung der Gesellschaft in Ausbeutende und Ausgebeutete. Die Unterdrückungsstrukturen in der sogenannten „Dritten Welt“ gehen – in veränderter Fortführung kolonialer Herrschaftsausübung – von den Ländern des globalen Nordens aus, weshalb eine Kritik auch insbesondere dort ansetzen muss. Dazu gehört auch, konkret Strukturen und Herrschaftsverhältnisse hier zu hinterfragen, Widerstand gegen die herrschenden Verhältnisse zu leisten und der kapitalistischen Weltordnung Entwürfe eines freien, solidarischen und selbstbestimmten Lebens entgegenzusetzen. Wir sind dabei solidarisch mit weltweiten politischen Bewegungen und Kampagnen, die sich für gerechtere soziale Verhältnisse einsetzen und sich gegen Ausbeutung und Herrschaft zur Wehr setzen.
Der Infoladen ist ein Raum, der unkommerziell und selbstbestimmt organisiert wird. Er ist ein Ort, der Informationen über die Entwicklungen im globalen Süden und Norden und deren Verbindungen untereinander bereitstellt, globale und lokale Kämpfe sichtbar macht, sie unterstützt und es ermöglicht, von diesen verschiedenen Formen des Widerstands zu lernen.

Warum der Name “Roter Strumpf”?

Der Name „Roter Strumpf“ geht auf die Arbeiter_innensiedlung zurück, die früher genau gegenüber vom Alhambra war. Die Entstehung des „Roten Strumpfs“ und des ganzen Stadtteils Osternburg hängt mit der Industrialisierung zusammen. Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden hier mehrere Fabriken, deren Arbeiter_innen größtenteils in Arbeiter_innensiedlungen wohnten. Manche Namen für diese Siedlungen werden bis heute benutzt – so beispielsweise „Kamerun“ für die Siedlung in der Nollstraße und der Behrensstraße. Andere sind eher in Vergessenheit geraten, wie etwa „Sansibar” oder eben „Roter Strumpf”. Letzteres war die Bezeichnung für die Arbeiter_innensiedlung direkt vorm heutigen Alhambra (damals Becker‘s Etablissment bzw. Tonhalle). Hier war über Jahre ein wichtiger sozialer sowie politischer Treffpunkt – beispielsweise gingen die 1. Mai-Demonstrationen vom „Roten Strumpf“ los.
Die Arbeiter_innen wohnten und und arbeiteten unter härtesten Bedingungen. Jeglicher Protest – wie etwa verschiedene Streiks und Demonstrationen – wurde mit harter Repression von Seiten der Kapitalisten beantwortet. Trotz der Sozialistengesetze unter Bismarck und den erschwerten Bedingungen durch den Umstand, dass ein großer Teil der Arbeiter_innen Wanderarbeiter_innen waren, organisierten sie sich und leisteten Widerstand. Seit Ende des 19. Jahrhunderts dann auch in der Tonhalle (Alhambra).
Mit dem Namen „Roter Strumpf“ wollen wir uns – den Unterschieden wohl bewusst – in diese Tradition stellen und dafür sorgen, dass dieser Teil der Geschichte – die ja bekanntlich von den Herrschenden geschrieben wird – nicht in Vergessenheit gerät.

 

Mehr Infos zur Geschichte von Becker's Etablissment, der Tonhalle bzw. dem Alhambra.